Kommunales
Noch ein Discounter an der B75: Was wird aus dem Meiendorfer Krögerhof?
Der Meiendorfer Ortskern steht möglicherweise vor großen Veränderungen: Der als „Fleischmarkt“ bekannte Krögerhof soll zu einem Verbrauchermarkt mit großem Parkplatz umgebaut werden – ein entsprechender Bauantrag liegt dem Bezirksamt vor. Die beiden SPD-Politiker Ole Thorben Buschhüter und Lars Kocherscheid-Dahm haben, nachdem lange Zeit verschiedene Gerüchte zu dem Thema in Meiendorf kursierten, nun den Senat und die Bezirksamtsleiterin nach den Einzelheiten des Bauvorhabens befragt, um Licht ins Dunkel zu bringen. Denn die politischen Gremien waren mit dem Vorhaben bislang nicht befasst.
„Die Antworten auf unsere Anfragen bestätigen die Gerüchte. Ziel des Bauvorhabens ist es jedoch, den denkmalgeschützten Krögerhof zu erhalten“ berichten Buschhüter und Kocherscheid-Dahm. Das Dach des Krögerhofs soll abgebrochen und denkmalgerecht wieder aufgebaut werden; der Verbrauchermarkt selbst soll in rückwärtigen Anbauten entstehen. „Das ist prinzipiell zu begrüßen“, sind sich beide einig. Allerdings sollen die zwei Gebäude Meiendorfer Straße 96 und 98a komplett abgebrochen werden, um das Bauvorhaben zu ermöglichen.
Der so genannte Krögerhof in der Meiendorfer Straße 98 steht seit Sommer 2007 unter Denkmalschutz. In die Denkmalliste ist das Wohnwirtschaftsgebäude mit der angebauten Scheune eingetragen. Das ab 1903 entstandene Wohn- und Wirtschaftsgebäude mit Schmuckgiebel war einst der größte Hof in Meiendorf, heute beherbergt es einen Getränkemarkt. Nach Auskunft des Senats hat das Denkmal-schutzamt die Genehmigungsplanung kritisch begleitet und schließlich in Abwägung von öffentlichen und privaten Belangen dem vorliegenden Nutzungskonzept zugestimmt. Nur so kann offenbar nach derzeitigem Stand der Hof in wesentlichen Teilen, insbesondere in seinem von der Straße aus sichtbaren Erscheinungsbild, langfristig erhalten werden. Für das Bauvorhaben sind allerdings erhebliche planungsrechtliche Befreiungen erforderlich, über die die politischen Gremien entscheiden müssen. So überschreitet das Bauvorhaben an einer Stelle die Baugrenze um 31 Meter, die Stellplatzanlage soll im Allgemeinen Wohngebiet errichtet werden. Nicht zuletzt deshalb liegen dem Bezirksamt nachbarliche Einwände vor, die zurzeit rechtlich bewertet werden.
Nach Abschluss der bezirksinternen Abstimmung wird der Antrag dem Rahlstedter Bauprüfausschuss spätestens in seiner Februar-Sitzung zur Beratung vorgelegt. Diese Beratung sollte nach Auffassung der SPD-Politiker öffentlich stattfinden: „Das Projekt hat große Auswirkungen auf den gesamten Ortskern. Da es im Wesentlichen ohnehin schon öffentlich bekannt ist, setzen wir uns dafür ein, dass die Öffentlichkeit hier ein Mitspracherecht erhält und die Beratungen nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden“, so Buschhüter und Kocherscheid-Dahm. Zu klärende Fragen gibt es nämlich viele. „Der Ort ist an sich ideal, denn Verbrauchermärkte gehören nicht auf die grüne Wiese, sondern in die Ortskerne. Auf der anderen Seite müssen jedoch die nachbarlichen Einwände berücksichtigt werden. Uns sorgt die Gestaltung des Parkplatzes auf dem von der Meiendorfer Straße zum Dassauweg um 1,70m abfallenden Gelände, die Gestaltung der Rückseite zum Dassauweg hin, ebenso die Anbindung an die Meiendorfer Straße.“
Weitere offene Punkte sind etwa die Auswirkungen auf den Verkehr und auf die weitere Infrastruktur in Meiendorf. So sorgen sich die SPD-Abgeordneten etwa um die Zukunft des EKZ am Spitzbergenweg: „Wenn die Firma ALDI von dort in einen Neubau am Krögerhof umzieht, befürchten wir, dass das EKZ am Spitzbergenweg sich nicht mehr lange trägt. Hier geht nach und nach ein wichtiger Ort der Nahversorgung in Meiendorf unter. Wir sehen die Behörden in der Pflicht, das im Zusammenhang mit dem aktuellen Bauvorhaben zu berücksichtigen und sich endlich einmal offensiv für Meiendorf einzusetzen.“
